Zustellung der “Bild” ablehnen

Campact / kopperschlaeger.net
Campact / kopperschlaeger.net

Morgen, am 23. Juni, verschickt die Axel Springer AG ungefragt an rund 43 Millionen deutsche Haushalte die Bild-Zeitung. Damit feiert der Verlag das 60-jährige Bestehen des Boulevard-Blatts. Bild-Verweigerer, die etwa im Vorfeld die Zustellung untersagt haben, erhalten hingegen einen roten Umschlag. Wer die Zustellung bisher nicht abgelehnt hat, kann die Annahme aber noch immer verweigern.

Roter Umschlag

Die Welle der Verweigerung hatte vor einigen Wochen Campact losgetreten. Zuvor waren Gerüchte in Umlauf gekommen, dass die Axel Springer AG die Bild kostenlos an alle Bürger verteilen möchte. Campact reagierte schnell und bot auf der Webseite ein Formular an. Dieses half, sich mit wenig Aufwand als Zustellungsverweigerer zu bekennen. Ursprünglich war die Hoffnung, dass die gesamte Verteilaktion der Bild damit aus logistischen Gründen scheitere. Immerhin 238.000 Bundesbürger nutzten das Formular und verweigerten.

Doch die Axel Springer AG fand ein Schlupfloch, wie es die Bild trotz der vielen Absagen dennoch verteilen kann. Allen Verweigerern schickt das Unternehmen morgen einen roten Umschlag. Dieser signalisiert den 50.000 Briefzustellern, in welche Briefkasten keine Bild eingeworfen werden soll. Eine durchaus clevere Lösung des Verlags.

Zustellung verhindern

Das Formular hat Campact heute abgeschaltet. Aber noch immer kann die Annahme verweigert werden. Ein einfacher Hinweis am Briefkasten mit den Worten “Hier bitte keine Bild-Zeitung einwerfen” reicht bereits aus. Diesen Hinweis muss der Briefzusteller ernst nehmen und ist verpflichtet, ihn zu beachten. Die Bild-Zeitung darf dann nicht in den Briefkasten geworfen werden. Eine Vorlage für einen solchen Hinweis finden Sie auf der Facebook-Seite von Ralf Ruthe.

Warum verweigern?

Gründe, die Zustellung der Bild-Zeitung zu verweigern, gibt es mehr als genug. Journalistische Grundsätze, Ethik oder Menschenrechte sind den Redakteurinnen und Redakteuren der Bild im Sinne der Auflage gänzlich unbekannt. Für Bild zählt einzig und allein die Schlagzeile.

Was Bild vom Pressekodex, Menschenrechten und Opferschutz hält, zeigt das Beispiel einer vor wenigen Tagen in Berlin getöteten Studentin. Zur groß aufgemachten Geschichte – in der Bild deutlich darauf hinweist, dass diese Frau mit fünf Männern in einer Wohngemeinschaft lebte – wurde auch ein Foto abgedruckt. Bild-typisch ist das Foto nicht verfremdet. Eine Tatsache, für die die Redaktion der Bild regelmäßig vom Presserat gerügt wird. Schlimmer noch: Das Foto zeigt nicht mal die getötete Berliner Studentin, sondern eine andere Person. Diese hat mit der toten Studentin lediglich den Vornamen gemein.

Tatsächlich zeigt das Foto nämlich die 26-jährige Hannah Wolf, die derzeit in Bremen lebt. Dem Spiegel gab sie ein aufschlußreiches Interview.

Der Wahrheit verpflichtet

Das Archiv des Bildblog ist voll mit weiteren Beispielen für die Verfehlungen der Bild-Zeitung. Watchblog nennen sich solche Webseiten, die auf Personen und Unternehmen ein Auge werfen und detailliert über sie berichten. Nicht immer mit solcher Präzision und journalistischen Tiefe wie Bildblog sie zeigt.

Es ist immer wieder überraschend, aus welchen Stoffen Bild seine Geschichten schneidert, welche Fakten ignoriert, welche erfunden werden. Und spätestens nach der Lektüre des Watchblogs sollte klar sein, dass es für ein Exemplar der Bild-Zeitung nur ein Ziel geben kann: den Papierkorb, aber auf keinen Fall den Briefkasten.

5 Kommentare

  1. Ich hab heute morgen den tollen roten Umschlag erhalten, aber das Drecksblatt wurde schneller zugestellt als der Brief. Somit hab ich den Mist jetzt doch im Briefkasten gehabt.

    Meine Frage, kann man da eigentlich jetzt was machen, das man mir den Mist zugesendet hat, obwohl ich ihn nicht wollte und dagegen auch Beschwerde eingereicht hab.

    Auf dem Schreiben ist sogar eine Telefonnummer, welche angeblich kostenlos ist, aber wenn man dort angerufen wird, erhält man NACH dem Anruf den Hinweis das diese Nummer 12 Cent aus dem deutschen Festnetz kostet.

    Um Kommentare und Hinweise wäre ich Dankbar, weil das ist in meinen Augen eine Frechheit.

    Mit freundlichem Gruß

    Mathias Eck

  2. Hier traf der rote Umschlag nicht ein, so dass eine Ausgabe der Bild im Briefkasten landete. Wir haben bereits bei Campact angefragt, wie nun das weitere Vorgehen wäre und warten auf eine Rückmeldung.

    Beste Grüße,
    Mark Lubkowitz

  3. Es gibt mehrere Haushalte, die trotz Widerspruchs eine Bild-Zeitung erhalten haben. Laut Campact liegt die Zahl aber im Promille-Bereich. Die große Mehrzahl der Widersprüche scheint von Springer beachtet worden zu sein. Derzeit verschafft sich Campact noch einen Überblick und wird sich dann über weitere Schritte beraten.

  4. Bei mir hat der Widerspruch gefruchtet:
    Ich bin von diesem Schundblatt verschont geblieben und habe nur den “roten Brief” bekommen damit kann ich jetzt bei Campact an einer Verlosung teilnehmen.
    “Statt sich über den Umschlag zu ärgern, können Sie etwas mit ihm gewinnen: Schicken Sie uns Ihren original roten “Verweigerer-Umschlag” frankiert und mit einem ausgefüllten Tombola-Los bis zum 2. Juli (Poststempel) zu! Unter allen Umschlägen, die bis dahin bei uns eingegangen sind, verlosen wir fünf Geschenk-Abonnements – von verschiedenen überregionalen Tageszeitungen, die im Gegensatz zur Bild für Qualitätsjournalismus stehen. Machen Sie mit bei unserer Umschlag-Tombola!”

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